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Leuchtturm

Leuchtturm Justizprojekt „NeFa“
Pilotbetrieb schon weitgehend barrierefrei

Genau vor einem Jahr stellte BIK@work das Projekt „NeFa“ vor. Darunter ist ein gemeinsames Projekt der niedersächsischen und hessischen Justiz zu verstehen, das sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, den Richterarbeitsplatz der Zukunft zu entwickeln. „Die elektronische Akte“ soll in naher Zukunft das Papier ersetzen. BIK@work hatte den Vorsitzenden Richter am Landgericht Frankfurt am Main, Detlef Stark, nach Chancen und Risiken für blinde und sehbehinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Gerichten gefragt. Seine Antwort war: „Ich sehe große Chancen für die Beschäftigung behinderter Menschen.“ Inzwischen ist das Projekt „NeFa“ ein ganzes Stück weiter gekommen.

Holger Sanio

Holger Sanio

BIK-Berater Detlef Girke konnte in Workshops für die Entwickler seine Kompetenz einbringen und sie von der Notwendigkeit überzeugen, schon zu Beginn der Entwicklung von Software Hindernisse für behinderte Menschen auszuräumen. Im März dieses Jahres soll ein Pilotbetrieb an den Landgerichten Kassel und Hildesheim beginnen.
BIK@work hat dazu Fragen an Projektleiter Holger Sanio vom Niedersächsischen Justizministerium.

BIK@work:
Ist die Pilotierungs-Anwendung bereits weitgehend barrierefrei? Falls nein, wo liegt das Problem?

Holger Sanio:
Die Version unser Anwendung „NeFa“, mit der wir am 12. März 2012 den Pilotbetrieb bei zwei Landgerichten beginnen werden, ist unter Berücksichtigung der Anforderungen der Barrierefreiheit entwickelt worden. Grundlage der Gestaltung der Benutzeroberfläche ist ein „Styleguide“, der auch auf das Thema Barrierefreiheit umfassend eingeht. Zum Pilotierungsbeginn konnte die Benutzeroberfläche allerdings an einigen Stellen noch nicht vollständig diesen Vorgaben entsprechend gestaltet werden.
Während der Entwicklung hat sich z. B. herausgestellt, dass für ein problemloses Zusammenwirken aller Komponenten der Benutzeroberfläche, zu denen u. a. Standardfunktionalitäten von Microsoft Word, eine Bibliothek mit Oberflächenelementen und eigenentwickelte Bestandteile gehören, mit unterschiedlichen Screenreadern umfangreichere Tests und Optimierungen notwendig sind als zunächst erwartet. Weiter hat sich gezeigt, dass einzelne Elemente der Oberfläche mit bestimmten Bildschirmlupen nicht ohne weiteres vergrößert angezeigt werden.
Um einen weitgehend barrierefreien Zugang zu der Anwendung sicherzustellen, müssen und werden unsere Entwickler während der Pilotierung daher noch weitere Anstrengungen unternehmen, um die Oberfläche im Interesse aller Benutzer weiter zu optimieren und die noch bestehenden Probleme zu beseitigen.

BIK@work:
Wann rechnen Sie mit der vollständigen Anwendung der barrierefreien Justizsoftware?

Holger Sanio:
Wir werden die bis zum 30. November 2012 geplante Pilotierung der Software auch dazu nutzen, die Benutzeroberfläche, insbesondere unter dem Aspekt des barrierefreien Zugangs, fortlaufend weiter zu optimieren. Wir gehen daher davon aus, dass spätestens mit erfolgreichem Abschluss der Pilotierung eine weitgehend barrierefreie Software zur Verfügung stehen wird. Diese wird nach Abschluss der Pilotierung zunächst für den landgerichtlichen Zivilprozess und in der Folge auch in allen anderen Sachgebieten der ordentlichen Gerichtsbarkeit an den Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt werden.

BIK@work:
Wie hilfreich war die Beratung durch BIK@work?

Holger Sanio:
Die Beratung durch BIK@work war sehr hilfreich und hat wesentlich dazu beigetragen, im Team das Bewusstsein für das Thema Barrierefreiheit zu wecken bzw. zu vertiefen. Gerade die Schulung unserer Entwickler zu diesem Thema hat dazu beigetragen, dass während der Entwicklung die Anforderungen der Barrierefreiheit bereits frühzeitig Berücksichtigung finden konnten. Da diese Anforderungen schon zu einem frühen Zeitpunkt bekannt waren, konnten diese gleichberechtigt zu fachlichen und technischen Anforderungen in den Entwicklungsprozess integriert werden. Durch die stärkere Fokussierung auf das Thema Bedienbarkeit der Anwendung durch BIK@work können wir eine über die Barrierefreiheit hinaus qualitative Steigerung im Bereich Benutzeroberfläche feststellen, von der alle Anwender profitieren.

Das BIK@work-Team sieht in dem Vorhaben ein eindrucksvolles Beispiel für die Realisierung von barrierefreier Information und Kommunikation an Arbeitsplätzen und würdigt das Projekt mit einem „Leuchtturm“, den der Projektleiter Holger Sanio entgegennehmen wird.

Weitere Informationen siehe: http://www.bik-work.de/aktuelles/lesen/stark.html

Text und Interview: Sigrid Meißner