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Leuchtturm

Der „Post-Leuchtturm“
Impulse, Erfolge und Hindernisse

Die Zusammenarbeit des BIK-Teams mit Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Post DHL besteht schon viele Jahre. Karsten Warnke, der Projektleiter von BIK@work, ist selbst „Postler“. So war es ihm eine Herzensangelegenheit, die Barrierefreiheit der Informationstechnik im Konzern voranzutreiben. Von der Zusammenarbeit mit dem „gelben Riesen“ hat auch das BIK-Team profitiert. Es erhielt immer wieder wertvolle Impulse für die Projektarbeit.

Portraitfoto: Christina Hempel

Konzernvertrauensperson für
Menschen mit Behinderung der
DP DHL Christina Hempel

Eines der Ergebnisse sind die erfolgreichen Sensibilisierungsworkshops. Der erste Workshop entstand 2003 in der Bonner Postzentrale. Anlass war eine erste Zusammenkunft von Gesamtschwerbehindertenvertretung und Mitgliedern des Projektes „Corporate Intranet“ der Deutschen Post AG.

Dem „Sensi-Workshop“ folgte der allmähliche Abbau von Barrieren im Intranet. BITV-Tests und Workshops begleiteten den Prozess. Erstmals wurde ein Styleguide für das Intranet durch entsprechende Zugänglichkeitsanforderungen mit Unterstützung von BIK ergänzt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Bemühungen um Barrierefreiheit wurde das Internet der Deutschen Post DHL und auch der Postbank AG. Zwar konnte keine umfassende Barrierefreiheit der unterschiedlichen Internetangebote und -anwendungen des Postkonzerns erreicht werden, aber die Bemühungen wurden schließlich mit zwei „BIENEN“ belohnt: 2004 erhielt die Postbank AG für ihr barrierefreies Online-Banking eine goldene BIENE in der Kategorie „E-Commerce“. Die Deutsche Post DHL wurde mit einer BIENE in Bronze 2009 für ihre Internetangebote in der Kategorie „Komplexe Einkaufs- und Transaktionsangebote“ ausgezeichnet. Seit 2003 prämieren die „Aktion Mensch“ und die „Stiftung Digitale Chancen“ die besten deutschsprachigen barrierefreien Angebote im Internet mit einer BIENE. BIENE steht für "Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten".

Eine besondere Kooperation wurde 2008 mit der damaligen Service- Niederlassung HR Operations Deutschland der Deutschen Post AG begründet, als diese um die Unterstützung bei der Qualifizierung von blinden und sehbehinderten Beschäftigten zu Telefonagentinnen und -agenten sowie der technischen Ausstattung der Arbeitsplätze bat. Die Post bot drei blinden und drei sehbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine hochwertige Ausbildung und neue Arbeitsplätze in ihren bisherigen Heimatorten an, die an ein zentrales Personalservicecenter in Fulda „angedockt“ wurden. Die Telefonagentinnen und -agenten beraten seitdem Postangehörige und Niederlassungen in allen Personalangelegenheiten.

Leider konnte nicht durchgesetzt werden, dass die Software an den Arbeitsplätzen der blinden- und sehbehinderten Beschäftigten grundsätzlich barrierefrei konzipiert wird, so dass die verwendeten Screenreader (immer wieder) aufwendig an die SAP-Anwendungen angepasst werden müssen. Außerdem mussten die blinden Telefonagentinnen und -agenten gesondert an ihren Computerarbeitsplätzen geschult werden. Ein Grund mehr für das BIK@work-Team, dafür zu werben, dass IT-Anwendungen von Anfang an so programmiert werden, dass nachträgliche Anpassungen von Computerhilfsmitteln auf ein Mindestmaß reduziert werden können.

Inzwischen gibt es beim Konzernbetriebsrat (KBR) der Post DHL eine Projektgruppe „Barrierefreie Informationstechnik“, fachlich beraten vom BIK@work-Team. Projektmitglieder bringen das Thema Barrierefreiheit regelmäßig im IT-Ausschuss des KBR auf die Tagesordnung und konfrontieren den Arbeitgeber immer wieder mit der Frage, ob neue IT-Anwendungen tatsächlich für alle Beschäftigten zugänglich sind. BIK@work-Berater konnten in IT-Projekte einbezogen werden und einzelne Entwicklungsprozesse begleiten. Darüber hinaus wurde die IT-Sachverständige des KBR von BIK@work zur BITV-Prüferin qualifiziert.

Bisher hat der Post-Arbeitgeber jedoch kaum Interesse gezeigt, von sich aus im Sinne des SGB IX konzernweit und konsequent „vorausschauende“ barrierefreie IT-Entwicklungen zu fördern. „Die Zuständigen haben sich noch nicht ausreichend von der Wichtigkeit überzeugen lassen. Wir müssen die Sensibilität erst schaffen“, erklärt Christina Hempel, Mitglied in der Schwerbehindertenvertretung im Konzern. Deshalb haben die Kolleginnen und Kollegen im Projekt  „Barrierefreie IT“ selbst die Initiative ergriffen. Sie arbeiten an dem Entwurf einer Konzern-Integrationsvereinbarung. Sie soll u.a. Bezug nehmen auf die BITV-Anforderungen und verbindliche Verfahrensregeln enthalten, die gewährleisten, dass neue IT-Anwendungen bereits barrierefrei entwickelt und die „Altlasten“ Schritt für Schritt ebenfalls barrierefrei werden. Dabei kann die Arbeitsgruppe auf Erfahrungen mit einer bestehenden Konzernbetriebsvereinbarung „Informationstechnologie“ zurückgreifen. Darin ist die Beteiligung des Konzernbetriebsrates bei der Einführung von IT-Systemen geregelt und es wird insbesondere Wert auf die Einhaltung softwareergonomischer Grundsätze gelegt. „Wir sehen eine große Chance, zu barrierefreier IT zu kommen“, sagt Hempel optimistisch.

Fazit: Im „gelben Riesen“ bewegt sich an vielen Stellen etwas und das KBR-Projekt empfiehlt sich zur Nachahmung. Darum hat das BIK@work-Team entschieden, Konzernbetriebsrat und Konzernschwerbehindertenvertretung sollen gemeinsam einen „Leuchtturm“ bekommen.

Text: Karsten Warnke / Sigrid Meißner