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Leuchtturm

Leuchtturm BMWI
Hauptvertrauensperson Dr. Alexander von Boehmer: „Die barrierefreie Gestaltung ist ein zentrales Kriterium“

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) gehört zu den Verwaltungen, die aus Sicht von BIK@work bei der Gestaltung von barrierefreier Informationstechnik am Arbeitsplatz Vorbild für andere sein können. Ein BIK@work-„Leuchtturm“ also. BIK@work ist Partner und konnte auch die Vertretung der schwerbehinderten Menschen beraten. Mit deren Hauptvertrauensperson, Ministerialrat Dr. Alexander von Boehmer, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretung beim Bund ist, sprach Sigrid Meißner über Barrierefreiheit, Sensibilisierung, Vor- und Nachteile von elektronischem Dokumentenmanagement.

Portraitfoto: Dr. Alexander von Boehmer

Dr. Alexander von Boehmer

BIK@work:

BIK@work hat das BMWI zu einem „Leuchtturm“ ernannt. Also zu einem Partner, der Vorbild sein kann auf dem Weg zu barrierefreier Informationstechnik am Arbeitsplatz.
Was heißt im BMWI Barrierefreiheit?

Dr. von Boehmer:

Ziel unserer Bemühungen ist es, dass die im Hause eingesetzte Informationstechnik für alle Nutzer gut zugänglich ist. Bei der Überarbeitung bestehender Softwarelösungen und der Anschaffung neuer Software ist die barrierefreie Gestaltung ein zentrales Kriterium. So haben wir vor zwei Jahren das Intranet völlig neu und gleichzeitig barrierefrei gestaltet. Ein anderes Beispiel ist die Einführung einer Softwarelösung für Schriftverkehr mit der Leitung des Hauses. Hier wurde darauf geachtet, dass durch den Einsatz besonders leistungsfähiger Scanner in Kombination mit einer Texterkennungs-Software keine Medienbrüche entstehen und die eingescannten Dokumente von Screenreadern erfasst werden können. Wir wollen die Informationstechnik als Arbeitsmittel so einsetzen, dass Menschen mit Behinderung damit effizient arbeiten können und ihre Leistungsfähigkeit zum Tragen kommt.

BIK@work:

Die Sensibilisierung von Entscheidungsträgern, Qualifizierung zur Umsetzung der Barrierefreiheit und Qualitätssicherung sind die von BIK@work empfohlenen Schritte. Wie groß war und ist im Ministerium die Bereitschaft, diesen Weg zu gehen?

Dr. von Boehmer:

Ich nehme eine große Bereitschaft wahr. Wir sind ein gutes Stück auf diesem Weg bereits gegangen. Ich bin zuversichtlich, dass weitere Schritte folgen werden. Die Sensibilisierung für das Thema Barrierefreiheit ist vor allem dadurch gewachsen, dass seit längerem mehrere blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen in unserem Hause tätig sind. In der täglichen Zusammenarbeit mit diesen Kolleginnen und Kollegen wird jedem schnell deutlich, wie wichtig es ist, IT-Lösungen einzusetzen, die für alle zugänglich sind. Sicherlich haben auch die Verpflichtungen aus dem Behindertengleichstellungsgesetz und seinen Verordnungen dem Thema weiteren Nachdruck verliehen. Ein Sensibilisierungsworkshop mit BIK@work war ebenfalls sehr hilfreich. Die Bereitschaft und das Interesse zeigt sich u. a. daran, dass mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem IT-Bereich an einschlägigen Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen haben. So bietet die zentrale Fortbildungsakademie für Beschäftigte im Bundesdienst (Bundesakademie für öffentliche Verwaltung) seit längerem Schulungen zur barrierefreien Erstellung von PDF-Dokumenten an.

BIK@work:

Was muss noch erreicht werden? Wie kann BIK@work den Prozess unterstützen?

Dr. von Boehmer:

Ich meine die Qualitätssicherung sollte noch weiter ausgebaut werden. Für mich heißt das vor allem, dass wir das Thema Barrierefreiheit noch breiter ins Haus tragen. Das betrifft insbesondere die Frage, wie man barrierefreie PDF-Dokumente erstellt. Hierbei könnte uns BIK@work mit einer entsprechenden Inhouse-Schulung unterstützen. Die Qualitätssicherung ist eng verknüpft mit der Frage nach geeigneten Prüfstandards. Für webbasierte Softwarelösungen bietet sich der BITV-Test an. Für andere Softwarelösungen gibt es noch Diskussionen in der Fachwelt. Wir wünschen uns, dass die Arbeiten des BIK-Projektes hier zu konkreten Vorschlägen führen.

BIK@work:

Die Vertretungen der schwerbehinderten Beschäftigten werden i. d. R. bei Ausschreibungen und Anschaffungen nicht direkt beteiligt. Wie können Sie im Ministerium Ihre Forderungen durchsetzen?

Dr. von Boehmer:

Im BMWI wird die Schwerbehindertenvertretung bei Ausschreibungen zur Beschaffung neuer Software beteiligt. Die Schwerbehindertenvertretung achtet darauf, dass Barrierefreiheit als Kriterium in der Leistungsbeschreibung enthalten ist, d. h., dass nur der Anbieter einen Zuschlag erhalten soll, der dieses Kriterium erfüllen kann. Auf diese Weise sollen umfangreiche Anpassungsprogrammierungen durch Hilfsmittelfirmen vermieden werden. Das spart Kosten und schont den Personaleinsatz. Das Prinzip der Barrierefreiheit ist in der Rahmenintegrationsvereinbarung für den Geschäftsbereich des BMWI nach § 83 SGB IX verankert. In Ziffer 4.11 heißt es: „Das Behindertengleichstellungsgesetz ist nicht nur auf Personen anzuwenden, mit denen die Dienststelle nach außen hin in Beziehung tritt, sondern auch auf die schwerbehinderten Beschäftigten der Dienststelle.“ Gestatten Sie mir an dieser Stelle eine allgemeine Bemerkung. Ich habe die Hoffnung, dass mit dem Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention die barrierefreie Gestaltung von Informationstechnik am Arbeitsplatz verstärkt Beachtung finden wird. Das Thema Barrierefreiheit wird mit Inkrafttreten der BITV 2.0 ohnehin auf die Tagesordnung in der Bundesverwaltung kommen.

BIK@work:

Immer wieder hört man von Projekten zur Einführung von elektronischen Dokumentenmanagementsystemen oder der elektronischen Akte. Wo liegen die Vorteile für behinderte und nicht behinderte Beschäftigte? Gibt es auch Nachteile?

Dr. von Boehmer:

Eine Behinderung kann sich je nach Art und Schwere ganz unterschiedlich auf das Arbeitsleben auswirken. Selbst bei ein und derselben Behinderung können subjektive Elemente zu einer jeweils anderen Bewertung führen. Daher lassen sich die Fragen nicht so eindeutig beantworten. Aus Sicht vieler sehbehinderter und blinder Menschen würde eine elektronische Akte die Chance bieten, Zugang zu allen Dokumenten in einer für sie wahrnehmbaren Form zu erhalten. Dies setzt allerdings voraus, dass es sich um barrierefrei gestaltete Systeme handelt. Nach meinem Eindruck stellt aber gerade dies eine der großen Herausforderungen dar. Bei reinen Bildschirmarbeitsplätzen spielt die ergonomische Gestaltung eine wichtige Rolle. Mit geeigneten Maßnahmen soll vermieden werden, dass es aufgrund einseitiger Belastungen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt.

Interview: Sigrid Meißner