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Leuchtturm

Leuchtturm Klinikum der Universität München
Barrierefreiheit gehörte von Beginn an zu den Zielen im Projekt“

Die Zusammenarbeit mit dem Klinikum der Universität München ist wie die mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) der Kooperation mit der PSG in der bayerischen Hauptstadt zu verdanken. Im vergangenen Jahr wurden Entwickler und Online-Redakteure in Workshops geschult. Die PSG hat Tests durchgeführt. Die Mitarbeiter der Abteilung MIT (Medizinisch-Administrative Informationstechnologie) sind mit großem Engagement dabei, Internet und Intranet barrierefrei zu gestalten. Jürgen Primbs, Leiter des Teams „Informationsmanagement“, erläutert im BIK@work-Interview die Arbeitsschritte. Das BIK-Team würdigt die Arbeit mit einem Leuchtturm.

Portraitfoto: Jürgen Primbs

Jürgen Primbs

BIK@work:
Das Behindertengleichstellungsgesetz fordert, Internetangebote barrierefrei und uneingeschränkt zugänglich zu gestalten. Wann hat das Uni-Klinikum den Prozess eingeleitet? Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Jürgen Primbs:
Das Klinikum der Universität München hat 2008 das Projekt „WebContentManagementSystem (WCMS) am Klinikum“ mit der Übernahme des Projekts (Hard- und Software) gestartet. Gleich zu Beginn des Projekts wurde nach einer eingehenden Begutachtung des Systems die Strategie für die Zukunft festgelegt. Das Thema Barrierefreiheit gehörte von Beginn an zu den Zielen im Projekt. Das System wurde neu aufgesetzt mit dem Ziel, die Verantwortlichkeiten bei Inhalt, Layout und Struktur zu trennen. Die Entwicklung eines Webseitengrundgerüsts („Core-Paket“) als Ausgangspunkt für alle Webseiten des Klinikums war das Ziel.

Alle Struktur und Layout betreffenden Angelegenheiten wurden vom zentral beauftragten Team „Informationsmanagement“ der MIT (Medizinisch-Administrative Informationstechnologie) umgesetzt. Der Fokus wurde von Anfang an darauf gelegt, dass möglichst viele Voraussetzungen zur Barrierefreiheit erfüllt sind (HTML- und CSS-Validierung, Skalierbarkeit und Zoom, Navigation und Sitemap, Tastaturbedienbarkeit).
Alle den Inhalt betreffenden Arbeiten gehören weitgehend in den Verantwortungsbereich der Redakteure. Diese wurden von Beginn an in Schulungen auf die Notwendigkeit von Link-Bezeichnern und Bild-Alternativtexten hingewiesen. Eine Sensibilisierung der verantwortlichen Redakteure zum Thema Barrierefreiheit war stets das Ziel.

Der erste Schritt ist bei uns in meinen Augen gemacht und wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Aber wir sehen uns hier am Anfang und möchten im nächsten Schritt die Inhalte (semantisch wie technisch) hinsichtlich Barrierefreiheit verbessern.

BIK@work:
Die Barrierefreiheit im Intranet hingegen muss von Schwerbehindertenvertretungen und Personal-/Betriebsräten oft beharrlich eingefordert werden. Mussten auch am Uni-Klinikum Widerstände überwunden werden? Wie konnten Sie argumentieren?

Jürgen Primbs:
Nachdem die Projektverantwortlichen von Beginn an dem Thema Barrierefreiheit offen gegenüberstanden, wurde das Thema auch ohne die Schwerbehindertenvertretungen bzw. Personalräte bearbeitet.
Am Klinikum der Universität München gibt es sicherlich keine Widerstände zu diesem Thema, denn sowohl im Intranet als auch im Internet gilt es von Haus aus, keine Informationsbarrieren aufzubauen. Beispielsweise kommt es auch oft bei Menschen der Generation 50+ vor, dass Sehschwächen vorliegen. Dieser Barriere muss schon allein beim Aufbau von Webauftritten Rechnung getragen werden.
Auch müssen Patienten, Ärzte, Zuweiser und Mitarbeiter des Klinikums ihre Informationen möglichst schnell, sprich ohne Barrieren finden können.

Eine Argumentation unsererseits war diesbezüglich also nicht notwendig. Zudem wurde uns das Projekt vollverantwortlich übertragen und unsere Vorgesetzten vertrauen auf unsere Fachexpertise wie auch auf unsere strategische Ausrichtung des Projekts.

BIK@work:
Hat ein Klinikum auf besondere Probleme im Intranet zu achten wie etwa Datenschutz?

Jürgen Primbs:
Der Datenschutz spielt im Intranet des Klinikums selbstredend eine außergewöhnliche Rolle. Das Bayerische Datenschutzgesetz (BayDSG) regelt sehr streng IT-Verfahren aller Art und unser Datenschutzbeauftragter kontrolliert die Einhaltung der Datenschutzvorschriften sehr genau. Das bedeutet, dass jedes IT-System und somit auch das Intranet-Autorensystem und die daraus erstellten Intranetseiten den datenschutzrechtlichen Belangen genügen müssen. Hierzu zählen technische und organisatorische Maßnahmen ebenso wie die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten und vieles mehr. Beispielsweise muss bei uns im Intranet jedes Online-Formular vom Datenschutzbeauftragten freigegeben werden. Eine Anonymisierung der mitaufgezeichneten IP-Adressen im Intranet auf den Webservern ist ebenso vorgeschrieben wie ein festgelegter Datenverwendungshinweis bei besagten Online-Formularen.

Ohne auf weitere Details eingehen zu wollen, können Sie sehen, dass das Thema Datenschutz am Klinikum eine äußerst hohe Priorität besitzt.

BIK@work:
Berater von BIK@work haben im vergangenen Jahr verschiedene Workshops für Entwickler und die Online-Redaktion durchgeführt. Was konnten Sie und Ihre Kollegen und Kolleginnen dabei mitnehmen?

Jürgen Primbs:
Insbesondere die weitere Sensibilisierung interessierter Redakteure wurde dadurch erreicht. Aber hauptsächlich waren diese Workshops für die Projektmitarbeiter wichtig, weil wir hinsichtlich der inhaltlichen Verantwortung zukünftig die Redakteure der Einrichtungen des Klinikums schulen wollen und müssen.

Sehr wertvoll für uns war aber auch zu erkennen, wohin sich das Thema Barrierefreiheit entwickelt. Denn auch hier ist es wie in allen Entwicklungsbereichen: Die Bestimmungen zur Barrierefreiheit (WCAG 2.0, BITV 2.0) ändern sich ebenso, wie der Einsatz von Techniken und Inhalten.

BIK@work:
Die PSG in München, mit der BIK@work zusammenarbeitet, hat im Klinikum Internet- und Intranetanwendungen getestet. Wie hilfreich in der weiteren Entwicklung waren die Ergebnisse?

Jürgen Primbs:
Neben der positiven Bestätigung beim Aufzählen der Stärken der Webauftritte hinsichtlich Barrierefreiheit wurde aufgezeigt, in welchen Punkten Verbesserungspotential besteht. Schon der Ausdruck „Verbesserungspotential“ anstelle von „Schwächen“ zeigt, worum es beim Thema Barrierefreiheit geht. In einem kontinuierlichen Prozess gilt es, die Auftritte des Klinikums weiter positiv zu verbessern, so dass nach und nach möglichst viele Barrieren beseitigt werden.

Die Erkenntnis, dass es per se keine barrierefreien Auftritte gibt, sondern lediglich Auftritte mit höherem oder niedrigerem Grad an Barrierefreiheit, verdeutlicht, dass es sich um eine kontinuierliche Arbeit handelt.

BIK@work:
Wo steht das Klinikum derzeit mit dem Intranet? Wo sehen Sie die nächsten Aufgaben?

Jürgen Primbs:
Die Intranetauftritte basieren auf demselben Webseitengrundgerüst (Core-Paket) wie die Internetauftritte. Deshalb ist der Status quo mit Ausnahme der Inhalte identisch.

Die große Aufgabe im Jahr 2012 wird es sein, die Redakteure hinsichtlich der Inhaltserstellung zu schulen. Hierzu zählt die Erstellung von barrierefreien Tabellen, PDFs und vor allem Videos. Aber auch Verbesserungen im textuellen und konzeptionellen Bereich spielen hier eine große Rolle. Wir bieten ab dem 1. Quartal 2012 neue Schulungen an und haben unser Schulungskonzept um den Schulungstyp „Schulungen zur Barrierefreiheit“ erweitert. Dort bieten wir folgende Schulungen an:

  • Grundlagen der Barrierefreiheit – wie erstellt man zugängliche Inhalte?
  • Erfolgreiche Texte fürs Web – Kurz oder lang? Gibt es einfache Regeln?

Mit dieser Maßnahme wollen wir den schweren Schritt zu barrierefreieren Inhalten starten, aber auch gleichzeitig die Verbesserung des Core-Pakets (Layout und Struktur) vorantreiben.

Den aufkommenden Themen „Video“ und „mobiles Web“ werden wir eine eigene Evaluationsstudie hinsichtlich Barrierefreiheit widmen und anschließend versuchen, einen strategischen Umsetzungsplan für 2013 zu entwerfen.“

Interview: Sigrid Meißner