Christa Schmidt-Klevenow ist seit sieben Jahren Gesamtschwerbehindertenvertrauensperson des Norddeutschen Rundfunks. Im BIK@work-Interview spricht sie über ihr Engagement für einen nachhaltigen barrierefreien Inter- und Intranetauftritt des Senders, mögliche Hürden bei der Umsetzung von Barrierefreiheit am Arbeitsplatz und ihre Teilnahme am BIK@work-Workshop "Barrierefreie Internetlösungen".
Christa Schmidt-Klevenow
(Foto: Gita Mundry)
BIK@work: Der Internetauftritt und das Intranet des Norddeutschen Rundfunks wurden von BIK geprüft. Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?
Schmidt-Klevenow: Ja, wir haben damals ein sehr gutes Ergebnis erhalten! Im Vorfeld hatten unsere IT-Experten auf Anraten der BIK-Prüfer an einigen Stellen nachgebessert. Mittlerweile liegen die Tests allerdings vier Jahre zurück. Ich gehe davon aus, dass der NDR bei einer Prüfung heute etwas anders abschneiden würde, da in der Zwischenzeit sowohl das Inter- als auch das Intranet weiterentwickelt wurden. Ich würde einer erneuten Prüfung jederzeit zustimmen, denn die Tests von BIK@work sind sehr sinnvoll!
BIK@work: Sie führten in diesem Jahr beim Norddeutschen Rundfunk die Verhandlungen über Barrierefreiheit am Arbeitsplatz. Welche Hürden galt es zu überwinden?
Schmidt-Klevenow: Die Verhandlungen dauerten ein paar Monate, aber die Arbeit hat sich gelohnt! Mit der Arbeitgeberseite gab es so gut wie keine Probleme, schließlich war sie es, die 2005 die BIK-Tests in Auftrag gegeben hatte. Auch die Personalräte waren schnell mit im Boot. Wesentlich schwieriger war es, diejenigen zu überzeugen, die das Thema umsetzen müssen. Nicht selten hörte ich Aussagen wie: "Das bedeutet Aufwand und kostet so viel Zeit". Regelmäßige Schulungen unserer Entwickler sollen dazu beiragen, Vorbehalte zur Barrierefreiheit am Arbeitsplatz abzubauen. Die Barrierefreiheit ist jetzt Bestandteil der EDV-Rahmendienstvereinbarung und gibt der Gesamtschwerbehindertenvertretung ein Mitwirkungsverfahren an die Hand. Danach prüft unsere Rundfunkanstalt nun all jenes auf Barrierefreiheit, was im EDV-Bereich neu angeschafft werden soll. Der Hersteller eines Soft- bzw. Hardware-Produkts erhält eine Checkliste auf Grundlage der WCAG 2, mit der er sein Produkt abgleichen muss. Die Gesamtschwerbehindertenvertretung kann mit Experten wie BIK@work über ein Produkt beraten und eine Empfehlung bzw. einen Prüfbericht abgeben. Erst danach entscheidet der NDR, ob er das Produkt erwirbt oder nicht.
BIK@work: Sind die gesetzlichen Vorgaben für Barrierefreiheit am Arbeitsplatz Ihrer Meinung nach ausreichend?
Schmidt-Klevenow: Ja, denn die Ansätze sind sehr gut! Positiv ist, dass der Gesetzgeber viel Raum für individuelle Ausgestaltung lässt. Ich finde es prima, dass die gesetzlichen Vorgaben keine statisch-starren Gebilde sind, sondern darin Rücksicht auf die sich weiter entwickelnde Technik genommen wird.
BIK@work: Seit mehr als 25 Jahren tauschen Sie sich mit Personal- und Betriebsräten, Gewerkschaftlern und Schwerbehindertenvertretern über Arbeitnehmerrechte aus. Stellen Sie innerhalb dieser Zielgruppen eine Veränderung des Verständnisses für Barrierefreiheit am Arbeitsplatz fest?
Schmidt-Klevenow: Das Thema tritt erst langsam in das Bewusstsein der Multiplikatoren und ist dadurch in vielen Betrieben noch nicht angekommen. Auch in der Gewerkschaft ver.di wird Barrierefreiheit am Arbeitsplatz erst seit wenigen Jahren thematisiert. Eine der großen Aufgaben von BIK@work wird in den nächsten Jahren sein, Schwerbehindertenvertretern, Personal- und Betriebsräten die Handhabbarkeit von Barrierefreiheit weiter deutlich und nachvollziehbar zu machen.
BIK@work: Sie nahmen im Oktober an dem Workshop "Barrierefreie Internetlösungen" teil, den BIK@work für Schwerbehindertenvertreter der ARD-Rundfunkanstalten in Hamburg veranstaltete. Wie haben sie die dreitägige Tagung erlebt?
Schmidt-Klevenow: Ich fand den Workshop rundherum gelungen! Der Aufbau war gut strukturiert, die Referate interessant und lehrreich und die Stimmung unter den Teilnehmern sehr angenehm. Ich habe viel Erfahrung auf dem Gebiet vergleichbarerer Veranstaltungen sammeln können; der Workshop von BIK@work wird mir nicht zuletzt aufgrund seiner außerordentlich guten Qualität im Gedächtnis bleiben. Die schwierige technische Seite zur Umsetzung von Barrierefreiheit wurde durch Praxisbeispiele für Laien wie mich gut nachvollziehbar. Die Zusammenhänge wurden verdeutlicht, ohne zu sehr in theoretische Tiefen vorzudringen. Durch zwei blinde Teilnehmer erlebte ich hautnah, auf welche Barrieren blinde Nutzer im Internet täglich stoßen können. Durch den Workshop konnte ich weitere Argumente sammeln, um das Bewusstein für Barrierefreiheit am Arbeitsplatz erfolgreich weiterzutragen.
Das Interview führte Susanne Schmidt
Christa Schmidt-Klevenow, 1951 in Oberhausen geboren, arbeitet seit 1973 als Tontechnikerin beim NDR. Daneben engagierte sich die Psychologin und Therapeutin u. a. zwölf Jahre im Personalrat und acht Jahre im Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di. Seit zwölf Jahren ist Schmidt-Klevenow in der Schwerbehindertenvertretung des NDR-Hamburg tätig. Vor sieben Jahren übernahm sie das Amt der Gesamtschwerbehindertenvertrauensperson des Norddeutschen Rundfunks.
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