Navigation

Darstellung anpassen

Service-Menü

Funktionen

Suche



Inhalt

Infothek

Interview mit Sabine Lohner, Vertrauensperson beim hr
Das Ziel: barrierefreie Dokumente am Arbeitsplatz

BIK@work: Frau Lohner, Sie sind stellvertretende Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen beim Hessischen Rundfunk (hr). Sie sind Vorstandsmitglied im Selbsthilfe-Verein "Bildung Ohne Barrieren (BOB)". Sie haben am Workshop "Barrierefreie Dokumente" teilgenommen, den BIK@work zusammen mit BOB und dem Büro für barrierefreie Bildung im Mai veranstaltet hat. Was war Ihr Interesse daran?

Foto: Sabine Lohner

Interview mit Sabine Lohner, hr

Sabine Lohner: Als Schwerbehindertenvertreterin setze ich mich im Unternehmen für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Dazu zählt auch, die Barrierefreiheit herzustellen. Häufig wird, wenn man von Barrierefreiheit spricht, nur an Mobilitätsbarrieren gedacht, z. B. Rampen oder Aufzüge, die nicht vorhanden sind, für mobilitätseingeschränkte Menschen aber erforderlich sind. Die Barrierefreiheit betrifft aber genauso Information und Kommunikation, in diesem Bereich engagiere ich mich im hr. PDF-Dokumente sind ein sehr weit verbreitetes und gern genutztes Format. Es ist das Ziel der Schwerbehindertenvertretung, den Zugang zu PDF-Dokumenten für alle Kolleginnen und Kollegen sicher zu stellen. Wichtig ist, dass wir zunächst selbst gut informiert darüber sein müssen, wie Dokumente zu gestalten sind, damit sie die Voraussetzungen für die Barrierefreiheit erfüllen, um konkrete Vorschläge an die Autoren weitergeben zu können. Z. B. sollten Word-Dokumente, die anschließend in eine PDF-Datei umgewandelt werden, sinnvoll strukturiert werden. So sollten lange Texte ein Inhaltsverzeichnis enthalten, um einfacher im Gesamttext navigieren zu können.

BIK@work: Was unternimmt die Schwerbehindertenvertretung im hr, um die Barrierefreiheit zu erreichen?

Sabine Lohner: Bereits im letzten Jahr fand auf unsere Initiative hin für Schwerbehindertenvertreter und Personalräte der ARD ein Workshop von BIK@work "Barrierefreie Intranetlösungen" in Hamburg statt, um die Grundlagen der Barrierefreiheit zu vermitteln. Interessenvertreter müssen wissen, wovon sie sprechen, was Barrierefreiheit bedeutet, konkrete Antworten geben können bzw. wissen, welche Experten sie zu Rate ziehen können, wenn Probleme bei der Zugänglichkeit auftreten.

Der kürzlich stattgefundene Workshop zu barrierefreien Dokumenten hat einen weiteren Aspekt abgebildet. Es handelte sich um eine Einführung in Problem und Problemlösung. Für eigene praktische Übungen, sprich die Erstellung eines barrierefreien PDF-Dokuments von Anfang bis Ende fehlte leider die Zeit sowie die dafür benötigte Software, der Adobe Acrobat Pro. Deshalb rege ich an, für die praktische Umsetzung ergänzend einen Tagesworkshop durchzuführen, in dem unter Anleitung an einer umfangreichen Beispieldatei Vorbereitungen am Ursprungsdokument und die Umwandlung in ein barrierefreies PDF-Dokument geübt werden kann.

BIK@work: Warum sind barrierefreie Dokumente im hr so wichtig?

Sabine Lohner: Gut strukturierte Dokumente sind für alle Kolleginnen und Kollegen besser navigierbar. Für blinde und sehbehinderte Menschen sind diese Anforderungen an Dokumente jedoch unerlässlich, um gleichberechtigt in Arbeitsabläufe eingebunden zu sein und um die an sie gestellten Arbeitsanforderungen im Alltag erfüllen zu können.

BIK@work: Welche Aufgaben haben Sie konkret derzeit als Schwerbehindertenvertreterin?

Sabine Lohner: Meine Aufgaben liegen in den Bereichen Information, Kommunikation und Software. Der hr hat z. B. ein neues Content Management System für die Erstellung des Intranetangebotes eingeführt. Unser Intranetangebot wird im Juni von BIK@work in Abstimmung mit Interessenvertretern und der Fachabteilung geprüft. Der BITV-Test von BIK wird einen ersten Einblick geben, Kriterien der Usuability müssen jedoch aus unserer Sicht ergänzt werden. Wir arbeiten seit einiger Zeit mit BIK@work in unterschiedlichen Projekten zusammen und schätzen die Unterstützung der Experten.

BIK@work: Welche Ziele hat die Schwerbehindertenvertretung im hr für die nächsten Jahre?

Sabine Lohner: Wir sind auf einem guten Weg, schon seit einigen Jahren sensibilisieren wir Verantwortliche und Entscheidungsträger im Haus für die Umsetzung der Barrierefreiheit. Es ist entscheidend, dass wir frühzeitig und rechtzeitig von Beginn an eingebunden werden, wenn es um Auswahl, Neuanschaffungen und Updates von Software, Datenbanken etc. geht. Nachbesserungen hinsichtlich der Zugänglichkeit sind teuer und aufwendig, führen häufig zu 'Insellösungen', und in vielen Fällen ist es gar nicht möglich, die Barrierefreiheit herzustellen. Wir müssen alle Kolleginnen und Kollegen von der Notwendigkeit der gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsleben überzeugen und auch - z. B. was PDF-Dokumente betrifft - die Schulung von Autoren anregen. Mein Wunsch ist, dass es langfristig selbstverständlich ist, dass die Belange aller KollegInnen unabhängig von einer Behinderung von Anfang an berücksichtigt werden und wir in einer 'Gesellschaft für alle' gemeinsam barrierefrei leben und arbeiten können. Alle Menschen profitieren von Barrierefreiheit.

BIK@work: Zum Abschluss noch die Frage, welche Aufgabe hat der Verein Bildung Ohne Barrieren e. V.?

Sabine Lohner: Wir bieten Fort- und Weiterbildung für Beruf und Freizeit an. Angefangen von speziellen PC-Kursen für blinde und sehbehinderte Menschen, über Angebote aus dem Bereich Rhetorik bis hin zu Seminaren für Umgangsformen in Beruf und Alltag. Freizeitwochenenden (Reiten, Motorradfahren, Architektur und Städtebau u.a.) runden unser derzeitiges Angebot ab.

Mir persönlich ist wichtig, dass wir die Anforderungen, die an blinde und sehbehinderte Menschen vor allem im Berufsalltag gestellt werden, erkennen und daraus passende Angebote entwickeln, die dazu beitragen, die Qualifikation dieses Personenkreises am Arbeitsmarkt und im Beruf zu verbessern.

Das Interview führte unsere Redakteurin Sigrid Meißner