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Aktuelle Meldung

Vernetzen und gemeinsam Barrieren abbauen
Erfolgreiche Informationsveranstaltung in Hamburg

Unter der Fragestellung "Alltägliche Barrieren am Arbeitsplatz?" hatte BIK@work zusammen mit den Hamburger Blinden- und Sehbehindertenverbänden zu einer Talkshow am 18. März 2010 eingeladen. Auf dem Podium saßen: Bernd Wiebe (Mitarbeiter im Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel), Carsten Kaul (Technischer Berater bei BIK@work), Heike Clauss (INCOBS), Otto Klick-Weiler (Integrationsamt Hamburg), Hans-Herbert Suhling (DibS GmbH) und Klaus Becker (Gesamtschwerbehindertenvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg). Sie stellten den rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Beratungs- und Unterstützungsangebote vor.

Foto: Klaus Becker

Klaus Becker, GSchwbV
Stadt Hamburg

Ausgangspunkt der Gesprächsrunde war, dass Bernd Wiebe es nicht mehr hinnehmen will, dass "seine" Computerprogramme am Arbeitsplatz nicht barrierefrei sind. Die Tests, die von BIK@work vorgenommen wurden, bestätigten vermutete Barrieren, was Carsten Kaul dem Publikum anhand von einigen Prüfschritten erläuterte. Darüber hinaus stellte Carsten Kaul die BIK@work-Angebote für Arbeitgeber und betriebliche Interessenvertretungen vor.

Nicht nur mit unzugänglichen IT-Anwendungen hat der sehbehinderte Bernd Wiebe an seinem Arbeitsplatz zu kämpfen, er ist auch mit seinem Vergrößerungsprogramm nicht so richtig glücklich.

Bei der Auswahl von Screenreadern und Vergrößerungsprogrammen hilft das Projekt INCOBS, das Projektkoordinatorin Heike Clauss vorstellte. Schwerpunkt des Projektes sind Vergleichstests von Blinden- und Sehbehinderten-Computer-hilfsmitteln.

Maßnahmen im Rahmen der begleitenden Hilfe und wer was bezahlt, erläuterte Otto Klick-Weiler vom Integrationsamt Hamburg.
Wer eine Einzelschulung am Arbeitsplatz benötigt, weil ein neues Computerprogramm eingeführt wurde oder weil er einen neuen Arbeitsplatz erhalten hat, der ist bei Hans-Herbert Suhling und der DibS GmbH gut aufgehoben.
Nicht nur als Interessenvertreter von schwerbehinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sondern auch als Vernetzer und Vermittler von Beratungsangeboten für eine barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung versteht sich Klaus Becker.

Aus dem Publikum wurde beklagt, dass Arbeitgeber nicht bereit seien, barrierefreie IT-Anwendungen zu beschaffen. Es fehlten Vereinbarungen mit klaren Verfahrensregelungen zwischen Arbeitgebern, Betriebs- bzw. Personalräten und Schwerbehindertenvertretungen.

Nicht erst bei diesem Thema ist die Schwerbehindertenvertretung gefragt. Sie sollte grundsätzlich für schwerbehinderte Beschäftigte, Vorgesetzte und Arbeitgeberbeauftragte der erste Ansprechpartner sein, betonte Klaus Becker. "Wir können uns nur um die Probleme kümmern, von denen wir auch etwas wissen. Das ist die Voraussetzung für die Wahrnehmung von Interessen. Dann öffnen wir das Tor für ein weiteres gemeinsames Vorgehen."

Dass es nicht so einfach ist, für seine eigenen Interessen einzutreten, machte Bernd Wiebe mit sehr persönlichen Worten deutlich: "Mein Bauch sagt mir, wenn ich mich um meine Interessen kümmere, dann klau’ ich dem Arbeitgeber Arbeitszeit. Und der könne mir vorhalten, dass ich bisher immer meine Arbeit trotz unzulänglicher Technik gemacht habe. Man fragt sich, ob das überhaupt angebracht ist, wenn man ein neues Hilfsmittel fordert. Dabei geht es ja darum, morgen noch arbeitsfähig zu sein. Aber sieht das auch mein Arbeitgeber so?" Aus dem Publikum kam hierzu der Einwand: "Indem wir gemeinsam die Arbeitsbedingungen verbessern, kümmern wir uns auch um die Arbeitsfähigkeit von Kolleginnen und Kollegen, die evtl. auch mal durch Krankheit oder Unfall Einschränkungen an ihren Arbeitsplätzen erfahren könnten." 

Klaus Becker beklagt, dass die Interessenvertretungen in ihrer Arbeit immer wieder auf Grenzen stoßen, und zwar dann, wenn technische Probleme und Ignoranz zusammentreffen. Es gibt immer noch mehr Gegeneinander als Miteinander." Deshalb, so seine Schlussfolgerung, müssen Arbeitgeber mehr für Barrierefreiheit sensibilisiert werden. "Wir wollen Barrieren gar nicht erst entstehen lassen!" ruft er aus.

Publikum und Podiumsgäste stellten fest, dass es in Hamburg ein gutes Beratungs- und Hilfsmittelangebot für blinde und sehbehinderte Menschen gibt. Um das Angebot besser nutzen zu können, wünscht sich Klaus Becker eine engere Zusammenarbeit und mehr Transparenz und trifft damit auf einhellige Zustimmung. "Ich muss wissen, wo der schnellste Weg zum Erfolg ist. Es kann z. B. nicht sein, dass Behindertenhilfsmittel erst nach Ende der Probearbeitszeit für einen neuen Schwerbehindertenarbeitsplatz zur Verfügung stehen."

Talkmaster und BIK@work-Projektkoordinator Karsten Warnke ist zufrieden mit der guten Resonanz der Veranstaltung und freut sich darüber, dass seine Gäste auf dem Podium sich bereits für ein nächstes Treffen verabredet haben: "Wir wollen noch enger zusammenarbeiten", gelobt Karsten Warnke, "Wir werden einen gemeinsamen Vorstoß für barrierefreie Informationstechnik in der Hamburger Verwaltung unternehmen."

Informationen über die vorgestellten Angebote finden Sie hier:


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